SupraNatura G1070CEQ: Kleines, großes, Kunstwerk

From Germany's Guitar Ausgabe magazine, April 2008. English translation coming soon. More on the G1070CEQ.

D555CEQ

Schon der erste Blick lässt erahnen, dass es bei der Walden G1070CEQ nach guter Tradition des Hauses in erster Linie um den guten Ton geht und nicht um überflüssigen Perlmutt-Schnickschnack und sonstigen Unfug, der nur den Preis in die Höhe treiben würde. Da wir uns knapp under der 1.000-Euro-Grenze befinden, sollte die Walden klanglich schon einiges zu bieten haben. So viel sei vorab verraten: Sie ist ihr Geld wert.

Auf ein besonderes Schmankerl hat man bei Walden Guitars nicht verzichtet und dem Instrument gleich ein Fishman-Tonabnehmer-system spendiert. Damit steht dem großen Auftritt nichts mehr im Weg. Die Reise dorthin tritt die Gitarre im edlen Koffer an, der im Preis enthalten ist.

Bei der G1070CEQ handelt es sich um ein Modell namens ,,Grand Auditorium", das inzwischen jedoch bei jedem Hersteller etwas anders aussieht und nicht mehr viel mit der ursprünglichen Bezeichnung ,,000" der Firma Martin zu tun hat. Wenn man so will, handelt es sich um eine Mischung aus Dreadnought und Jumbo: das Beste aus beiden Welten.

Wenn Gitarrent sprechen könnten
Die Supranatura-Line von Walden besteht ausschließlich aus ausgesuchten massiven Tonhölzern. Plastikteile sucht man bei dieser Serie vergebens, da alle Einlagen und sogar das Binding aus verschiedenen Holzarten gefertigt sind. Das verleiht der Gitarre eine sehr natürliche Note und macht sie zu einem kleinen Kunstwerk. Geschmackvoller geht es nicht mehr. Sogar die Bridgepins sind aus Holz hergestellt, Sattel und Steg aus echtem Knochen. Das Halsprofil liegt angenehm flach in der Hand und sollte damit auch für kleiner Hände geeignet sein.

Sowohl auf dem Griffbrett als auch auf der Stirnseite markieren kleine unscheinbare Punkte die Lagen. Aber wahre Cowbows brauchen doch sowieso nur vier Bünde und drei Akkorde, oder?

Nachdem ich mich von der Optik zum Schwärmen hingerissen fühlte, steht nun die einzig entscheinde Disziplin ins Haus: Kann die Gitarre auch klanglich mithalten? Da wir doch eh gerade im Wilden Westen waren, wollen, wir gleich mal einen Walking-Bass à la ,,Ring Of Fire" anstimmen. Yeeahhh! Da fühlt man sich doch gleich wie in der weiten Prärie. Genau so klingt die Walden nämlich. Der dünne Nitro-Zellulose-Lack steht dem Schwingungsverhalten nicht im Weg, so dass sich sofort ein angenehm voller und ausgewogener Ton entfalten kann, für den das passende Adjektiv erst noch gefunden werden muss. In jedem Fall ist es eine Mischung aus Charimsa, Atmosphäre und einer Menge Persönlichkeit. Diese Gitarre hat mich bereits überzeugt, dass sie ihr Geld wert ist.

Guitar Unplugged

Der Preamp
Mein Eindruck bestätigt sich auch bei genauerer Untersuchung. Fingerpicker werden begeistert sein, da sie es versteht, die Dynamik und den Ausdruck eines sauberen Finger-anschlags wiederzugeben. Arpeggios verdichten sich mit jeder angeschlagenen Note dichter zu einem äußerst harmoniscen Klanggeflecht. Diese Gitarre spricht eine deutliche Sprache, und wenn ich mich etwas auf ihr verliere, habe ich sogar das Gefühl, als würde sie sich mit mir unterhalten.

Genug der Schwärmerei, Widmen wir uns zuletzt einem ganz weltlichen Thema: dem integrierten Preamp, der die übliche Dreiband-Klangregelung und einen zusätzlichen Brillance-Regler besitzt. Dieser entschärft den für meinen Geschmack zu elektronischen Ampsound etwas.

Das bleibt hängen
Die Gitarre bietet für jeden Spielertyp etwas. Ein echtes Allround-Instrument mit einer bestechenden Optik und einer Menge Persönlichkeit, von der sich so mancher Musiker mit Sicherheit gerne verzaubern lässt. Dieses Instrument versteht es, kleine Soundwelten zu erschaffen, und unterstützt die musikalischen Ausflüge zusätzlich mit einer vorbildlichen Bespielbarkeit.